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EV.-LUTHERISCHE KIRCHENGEMEINDE NIEBÜLL

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CHRISTUSKIRCHE (1729), Kirchenstraße

Die erste der beiden Vorgängerkirchen der Christuskirche stand bis zur verheerenden Sturmflut von 1362 - „Grote Mandränke" genannt - im heutigen Ortsteil Langstoft. Die Sturmflutschäden waren so schwer, dass das Gotteshaus abgebrochen und im Dünengelände der neuen Siedlung Niebüll (nie = neu, bull = Dorf) im gotischen Stil neu errichtet wurde. 1436 wird Niebüll erstmalig als Kirchort erwähnt.

Der Südstegel von 1778 (neben dem früheren Küsterhaus) - restauriert 1925 - hat zwei verschieden große Tore, auf denen je drei Symbole in einem Kreuz angeordnet sind: Ringe, Waage und Schwert sowie Kreuz, Herz und Anker.

Über die Ausstattung der Vorgängerkirchen sind nur spärliche Berichte erhalten, auf jeden Fall gehörten dazu:

•   der Taufstein aus Granit, romanisch, 13. Jahrhundert,

•   die Triumphkreuzgruppe mit Jesus, Johannes und Maria,

   um 1480,

•   der Predigtstuhl (Kanzel) im Emporentypusstil,

   um 1630 am Kanzelkorb mehrere Hermenpilaster

   (hervorstehende Säulen mit Symbolfiguren nach

   griechischem Vorbild). Für die des Lesens unkundigen

   Gläubigen waren die Szenen aus den Evan-gelien

   plastischer Anschauungsunterricht. Die drei Stifter der Kanzel

   werden nur mit Anfangsbuch¬staben genannt,

•   der Armenblock (Kollektenkasten) am Eingang,

   1693 von Boye Feddersen gestiftet,

•   die 22 Emporenbilder (früher wahrscheinlich an der

   alten Nordwand),

•    eine Reihe kunstvoll geschmiedeter Huthaken.

In den Jahren 1728/29 wurde die Vorgängerkirche auf Befehl des Herzogs von Schleswig (Schloss Gottorf) bis auf einen kleinen Teil der Nordostwand abgebrochen, weil sie für die sich sonntäglich versammelnde Gemeinde zu klein geworden war. Zum Neubau in der heutigen Gestalt stiftete König Friedrich IV. von Dänemark insgesamt 508 Balken, die als Strandgut auf der Insel Sylt angetrieben und bei Fahretoft gelagert waren.

Am 11. Mai 1729 wurde durch Pastor Otto Heinrich Lützen, Diakon Jacob Friis und Lehnsvogt Broder Bahnsen der Grundstein gelegt. Ihre Initialen befinden sich am West- und Ostgiebel.

Für den Neubau verwendete man die roten Ziegel des abgebrochenen  Vorgängerbauwerks. Die gelben Ziegel wurden hinzugekauft.

Die Einweihung der evangelischen Kirche in Niebüll – damals noch ohne Namen – erfolgte dann am 17. September 1729. Der Hochaltar entstand 1730.

Im Laufe der Jahre wurden kleinere und größere Renovierungen durchgeführt. 1855 überkalkte man den „Wolkenhimmel" (zu sehen auch in der Rimbertikiche Emmelsbüll). 1891/92 bekam das Gewölbe eine neue Schablonenmalerei (s. Gewölbe auf der Nordseite). In den Jahren 1912/13 stiftete die Niebüller Spar- und Leihkasse eine „Zentralheizung". Der Bochumer Verein goss 1881 für das im gleichen Jahre renovierte Glockenhaus zwei Gusstahlglocken. Die alte Bronzeglocke, 1731 von Armowitz gegossen, wurde verkauft und vermutlich eingeschmolzen.

Die erste Orgel, die beim Neubau 1729 angeschafft wurde, stand vermutlich auf der zweiten kleinen Empore. Ob die Orgel von Pellworm oder aus Königsbüll/Alt-Nordstrand stammt, ist ungewiss. Hier wirkte als Organist und Komponist Ulrich Anton Clausen Fehr (1753 – 1812) von 1778 – 1786, bevor er als Lehrer an die Bürgerschule von Hadersleben wechselte.

Die Orgelbauwerkstatt Cornells, Schleswig, baute 1855/56 eine neue Orgel. Aber bereits 1896 musste die Orgelbauwerkstatt Marcussen, Apenrade, ein größeres Werk mit einem romanisierenden Prospekt fertigen.

Die letzte große Renovierung der Kirche fand zwischen 1970 bis 1972 statt. Das Gestühl wurde erneuert, die alte mechanische Turmuhr durch ein elektronisches Werk ersetzt, die Zifferblätter vergoldet; die Kirche wird nun nicht mehr von der Südseite aus, sondern durch den neuen Westeingang betreten. In der Ostwand stört nun kein einfallendes Licht mehr den Blick auf den Altar. Das an der Südwand befindliche Vorhaus (Karnhaus) von 1859, in dem die Särge mit den Verstorbenen standen, trug man ab. Orgelbau Paschen, Kiel, renovierte die Orgel von 1896 durchgreifend.

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Den Anforderungen der Kirchenmusik entsprechend, vergrößerte man die Chorempore nach Osten.

Bestimmend im Innenraum der Christuskirche in ihrer heutigen Gestalt ist der barocke Hochaltar, gestiftet 1729/30 von den Familien Feddersen, Heseler und/oder Bar. Über dem Wappen des Inspektors Fedder Feddersen (zwei gekreuzte Federn über Wasser) wird der gekreuzigte und siegreich auferstandene Christus mit der Siegesfahne dargestellt.


Auf der Bekrönung der südlich stehenden Sakristeiwand (früher Pastorenstuhl, Diakonen- und Sängerstuhl) findet der Betrachter das Feddersche Wappen noch einmal, auf der nördlichen Sakristeiwandbekrönung deuten' liegende „Pfriemen" im Wappen der Familien Heseler und/oder Bar auf den Beruf des Schuhmachers hin.


Rechts und links des Hochaltars stehen Teile von alten Abendmahlsbänken, davor der neue Altartisch von 1970.


An der Nordwand der Kirche hängt ein Bild von Carl Ludwig Jessen, Maler aus Deezbüll, das dieser zum 400-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde Niebüll 1883 stiftete: Martin Luther, Kopie nach Lucas Cranach d. Ä. Die Erben des Pastors Petrus Axen schenkten der Kirchengemeinde ein Bild desselben. Der Maler ist unbekannt.

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Der Bildschnitzer Jens Sönksen aus Langenhorn schuf 1729 den Schalldeckel über der Kanzel mit den Figuren des über Tod und Teufel siegreichen Christus und der Engelputten, die der Gemeinde die Marterwerkzeuge „vor Augen halten".


Jens Sönksen schnitzte auch den ersten, nicht mehr vorhandenen Orgelprospekt dieser Kirche.

Die Predigertafel (Pastoren und Diakone) zeigt an, dass die Reformation 1580 eingeführt wurde.

Das farbige Original der Entwurfszeichnung (1907) an der Südwand von Prof. Hans Peter Feddersen (1848 - 1941),

„Heimkehr des verlorenen Sohnes", ist das Altarbild in der Kirche St. Jürgen, Flensburg. Es ist das einzige Bild Feddersens mit einem religiösen Motiv.

Der Messingleuchter mit einem Löwen und Doppeladler in der Kirchenmitte wurde 1750, der Leuchter über der Taufe wurde 1993 gestiftet.


Die auf einer der Gestühlstüren im Südwesten des Kirchenraumes spiegelbildlich aufgebrachten Buchstaben BB (anno 1739) deuten auf den Lehnsvogt Broder Bahnsen hin, dessen Familie mit seinen Stiftungen ein Anrecht auf bevorzugte Sitzbänke durch dieses „Stolengeld“ erwarb.

         

Wegen der verschiedenen Christusdarstellungen im

Kirchenraum bekam die  Kirche Niebüll im Jahre 1975 den Namen CHRISTUSKIRCHE.


Im vermauerten Nordeingang ist die Grabplatte SVNKE JUERSEN (Iwersen) aufgerichtet; im alten Südeingang findet sich eine Bauinschrifttafel von 1729, die Johann Georg von Holstein, Amtmann von Tondern und Träger des Elephantenordens, würdigt.

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Nordwestlich der Kirche steht auf dem ehemaligen Kirchhof als Mahnmal der Stadt Niebüll die Plastik „Mutter“, an der jährlich die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag stattfinden. Der Bildhauer Walter Rössler, Klausdorf/Schwentine schuf die Statue aus Muschelkalkstein als Ersatz für das alte Kriegerdenkmal von 1871 unter der „Kaisereiche“ südwestlich des Doppeltores.


Wegen ihrer guten Akustik finden in der Christuskirche auch Konzerte überregionaler Kulturträger, wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival und dem dänischen Sønderjyllands-Symphonieorchester, statt.

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